Arctosa cinerea 

Die Europäische Spinne des Jahres 2007 - Die Flussufer-Riesenwolfspinne Arctosa cinerea (Fabricius, 1777)


Martin Kreuels & Milan Rezaks


Mit einer Körperlänge bei den Männchen von 12-14 mm und bei den Weibchen von 14-17 mm gehört die Flussufer-Riesenwolfspinne (Arctosa cinerea), die auch Sand-Wolfspinne oder Graue Sandwühl-Wolfspinne genannt wird, zu den größten einheimischen Vertretern der Familie der Wolfspinnen (Lycosidae) (Abb. 1). Mit ihrer kontrastreichen Hell-Dunkelzeichnung (graubraun-gelblichgrau), wobei die Männchen kontrastreicher gezeichnet sind, sind die am Boden lebenden Tiere in Ruhestellung auf dem kiesig-sandigen Untergrund kaum zu erkennen (BELLMANN 1997).

Die Art kommt ursprünglich an naturnahen, dynamischen Kies- und Sandufern von Flüssen und Seen, sekundär auch in Sand- und Kiesabbaugebieten vor. An unregulierten Gewässern besiedelt die Wolfspinne vor allem die durch regelmäßige Hochwässer freigeräumten (vegetationsfreien) ufernahen, Kies- und Schotterbänke. Durch nahezu flächendeckende Regulierungsmaßnahmen an den Fließgewässern in den vergangenen Jahrzehnten ist die Spinne in weiten Teilen Deutschlands ausgestorben. 

Die Aktivitätsphase liegt zwischen März und November. In dieser Zeit halten sich die Tiere in Wohnröhren auf, die sie für ihre nächtlichen Beutezüge verlassen. Die Wohnröhren werden in den sandigen Untergrund hineingegraben und liegen meist unter größeren Steinen oder unter Treibgut, wie Holzbalken oder Holzbrettern. Die Anlage der Wohnröhren orientiert sich am Gewässerrand. Die Tiere sind dort in einem Streifen von 0,5 – 1,5 m entlang der Gewässerlinie zu finden. Als Beutetiere dienen am Land lebende Laufkäfer, Fliegenlarven, Heuschrecken und Spinnen. Von Juni bis August kümmern sich die Weibchen um ihren Nachwuchs. Die Jungspinnen treten von August bis Oktober auf, überwintern und beenden ihre Reifungsphase im Spätsommer des Folgejahrs. Nach einer weiteren Überwinterung schreiten die Tiere der neuen Generation zur Fortpflanzung. Durch die überlappenden Generationen sind das ganze Jahr über ausgewachsene Spinnen zu finden. Zur Überwinterung verlassen die Tiere den gewässernahen Bereich und legen in ausreichender Entfernung vom Ufer (10-15 m) eine vor Überflutungen geschützte Überwinterungsröhre an. Bei sommerlichen Hochwässern verschließen die Spinnen die Öffnung ihrer Röhre und können in der bestehenden Luftblase überleben. Das Verbreitungsgebiet der Sand-Wolfspinne reicht vom Mittelmeerraum über Mitteleuropa im Norden bis nach Skandinavien und im Osten bis nach Sibirien, im Westen reicht ihr Verbreitungsgebiet bis nach Spanien und Portugal. Arctosa cinerea ist im Mittelmeerraum mit der ähnlich aussehenden Art A. variana zu verwechseln.


Weitere Informationen zur Spinne des Jahres sind auf der Seite der Arachnologischen Gesellschaft zu finden: http://www.arages.de/sdj/sdj_07.php


Literatur:
ARAGES (2006): Arachnologische Gesellschaft e.V. – online unter: http://www.arages.de/sdj/sdj_07.php
BELLMANN, H. (1997): Kosmos-Atlas Spinnentiere Europas. Stuttgart, Kosmos: 304 S.
BLICK, T. (1999): Artensteckbrief Arctosa cinerea (Araneae, Lycosidae). - 7 S.; Teil eines Berichtes des Büro für Ökologische Studien, Bayreuth an das BfN, Bonn.
BUCHAR, J. & K. THALER (1995): Die Wolfspinnen von Österreich 2: Gattung Arctosa, Tricca, Trochosa (Arachnida, Araneida: Lycosidae) - faunistisch-tiergeographische Übersicht.-Carinthia II 185(105): 481-498.
FRAMENAU, V. (1995): Populationsökologie und Ausbreitungsdynamik von Arctosa cinerea (Araneae, Lycosidae) in einer alpinen Wildflusslandschaft.- Diplomarbeit, Universität Marburg: 117.
FRAMENAU, V., DIETERICH, M., REICH, M. & H. PLACHTER (1996): Life cycle, habitat selection and home ranges of Arctosa cinerea (Fabricius, 1777) (Araneae: Lycosidae) in a braided section of the Upper Isar (Germany, Bavaria).- Revue Suisse de Zoologie hors serie: 223-234.
FRAMENAU, V. & M. REICH (1995): Population dynamics, habitat selection and dispersal of Arctosa cinerea (FABRICIUS, 1777) (Araneae: Lycosidae) in a braided section of the Upper isar (Germany, Bavaria).- International Congress of Arachnology, Geneve 13: 16.
FRAMENAU, V., REICH, M. & H. PLACHTER (1996): Zum Wanderverhalten und zur Nahrungsökologie von Arctosa cinerea (Fabricius, 1777) (Araneae: Lycosidae) in einer alpinen Wildflußlandschaft.- Verhandlungen der Gesellschaft für Ökologie 26: 369-375.
JONES, E. (2005): Arctosa cinerea in Mid-Wales.- Newsletter of the British arachnological Society 103: 2.
KESSLER, A. M. (1997): Arctosa cinerea (Fabricius): zeldzaam?- Nieuwsbrief Spined 12: 4-5.
KOCAREK, P. (2000): The finding of wolf spider Arctosa cinerea (Araneida: Lycosidae) in the town of Ostrava (Czech Republic).- Cas. Slez. Muz. Opava (A) 49: 281-282.
KOMPOSCH, C. (2003): Die Flussufer-Riesenwolfspinne (Arctosa cinerea, Arachnida: Araneae: Lycosidae) in Österreich.- Kärtner Naturschutzberichte 8: 65-75.
KOPONEN, S. (2000): Spiders (Araneae) on sandy islands in the southwestern archipelago of finland.- Ekologia (Bratislava) 19(4): 79-85.
NEWTON, J. (2003): Spiders of River Shingles: Caviphantes saxetorum (Hull, 1916), New to Lancashire; Arctosa cinerea (Fabricius, 1777), New to Westmorland and VC69.- Newsletter of the British arachnological Society 96: 11.
STAUDT, A. (2007): Nachweiskarten der Spinnentiere Deutschlands (Arachnida: Araneae, Opiliones, Pseudoscorpiones).- Internet: http://www.spiderling.de/arages


Unterstützende Vereinigungen:
Arachnologische Gesellschaft e.V. (AraGes)
Belgische Arachnologische Vereniging/Société Arachnologique de Belgique ARABEL
European Invertebrate Survey-Nederland, Section SPINED
Grupo Iberico de Aracnologia-Sociedad Entomologica Aragonesa GIA
European Society of Arachnology (ESA)
AraDet, Münster

Danksagung
Wir möchten uns, wie im jeden Jahr, bei Aloysius Staudt bedanken, der die Verbreitungskarten zur Art erstellt und während des laufenden Jahres Neufunde einarbeitet, und bei Dr. Heiko Bellmann, der hochwertiges Bildmaterial zur Art für die Proklamation lieferte. 



Rubrik: Spinneninfos
AraDet :|: Büro für arachnologische Determinationen "Office for Arachnological Determinations" - Dr. Martin Kreuels, 48161 Münster, Nordrhein-Westfalen (NRW) Gestaltung & CMS-Software